Saaleputz in Jena – eine kritische Nachbetrachtung

Am vergangenen Samstag fand in Jena der 10. Saaleputz statt, bei dem das Flussufer „von Müll und Schrott befreit“ werden sollte – leider auf Kosten des Naturschutzes. Der Naturschutzbund Jena weist darauf hin, dass zum Zeitpunkt des Saaleputzes die Brutzeit von Enten bereits begonnen habe und andere Arten wie Zaunkönig, Rotkehlchen und Ziplzalp bereits mit dem Nestbau beginnen. Durch die Arbeiten im Böschungsbereich werden diese Gelege gefährdet und in vielen Fällen auch unabsichtlich zerstört.

Dass bei den Veranstalter*innen durchaus ein Bewusstsein für diese Problematik vorhanden ist, zeigt sich darin, dass die Teilnehmenden im Voraus um rücksichtsvolles Arbeiten im Sinne des Umweltschutzes gebeten wurden, wie die OTZ berichtet. Dazu merkte Dr. Dietrich von Knorre, der Leiter der Fachgruppe Ornithologie und Vogelschutz beim NABU Kreisverband Jena, an, dass es für Laien kaum möglich ist, die Standorte der Brutstätten zu erkennen. Wir, die Grüne Jugend Jena, sehen die veranstaltenden Vereine und die Bürgerstiftung Jena in der Verantwortung gegenüber den Teilnehmer*innen, deren Motivation teilweise gerade der Naturschutz ist und denen durch solche Informationen suggeriert wird, sie könnten allein durch vorsichtiges Vorgehen eine Störung der Brutvögel verhindern.

Grundsätzlich stehen wir der Idee des Saaleputzes positiv gegenüber, umso mehr sollte er nicht durch die Wahl des Termins der Natur schaden, statt zu ihrem Schutz und ihrer Erhaltung beizutragen. Deshalb möchten wir die Veranstalter*innen bitten, in Absprache mit den lokalen Umweltschutzverbänden für den nächsten Saaleputz einen geeigneteren Termin zu finden.

Der Vorstand der Grünen Jugend Jena meint: „Besonders kritisch im Zusammenhang mit dem Saaleputz sehen wir jedoch die Rolle der Stadt Jena. Wenn sie ausdrücklich Mitveranstalterin einer solchen Aktion ist, so erwarten wir, dass sie eventuelle Beeinträchtigungen der Flora und Fauna im Uferbereich selbstständig prüft und nicht erst durch Umweltverbände darauf hingewiesen werden muss.“

Es drängt sich der Eindruck auf, die Stadt wolle durch den Saaleputz vor allem so viel Arbeit wie möglich auf freiwillige Helfer*innen abwälzen, die eigentlich in den Aufgabenbereich des Kommunalservices fällt, selbst wenn der Umweltschutz darunter leidet. Dem stellen wir uns als Grüne Jugend Jena entschieden entgegen. Öffentliche Aufgaben müssen von der Stadt oder der gesamten städtischen Gemeinschaft getragen werden und dürfen nicht schleichend auf einzelne Freiwillige verlagert werden. Es gibt genug Raum für Einsatz für den Umweltschutz, wo er vom Staat grundsätzlich nicht geleistet wird, als dass man noch staatliche Aufgaben übernehmen müsste.

Ziel eines Flussputzes sollte es daher sein, die Erfüllung dieser Aufgaben durch die Stadt einzufordern, und nicht, diese Aufgaben für sie zu übernehmen. Auf lange Sicht sollte sich der Saaleputz dadurch überflüssig machen, statt sich als Form bürgerlichen Engagements zur Image-Pflege Jenas zu institutionalisieren. Bis dieses Ziel erreicht ist, wird er hoffentlich Form und Zeit finden, zu der er zum Umweltschutz beiträgt, statt dieser Motivation zuwiderzulaufen.