Jenaer Feierkultur mit Verbesserungsbedarf

Der kürzlich veröffentlichte Leserbrief der jungen Frau aus Jena zu leider alltäglichen sexuell motivierten Übergriffen und die darauf folgende Diskussion zeigen, dass Aufklärung und Kommunikation auch heute noch notwendig sind.

Vorwürfe zum angeblich einladenden äußeren Erscheinungsbild und Verhalten, zu scheinbaren Aufmerksamkeitsdefiziten und Denunizierung bestimmter Gruppen kommen aus einem breiten gesellschaftlichen Spektrum. Oftmals halten die Unterstellungen an, dass das Opfer „selber Schuld sei“ oder nicht ausreichend etwas gegen die Übergreifer unternommen habe. Diese Vermutungen kommen oft aus einem Unverständnis gegenüber der Situation, in der sich vor allem Frauen in Clubs befinden. Laut eigener Aussagen ist den Clubbetreibern in Jena dieses „Problem“ schon länger bekannt, aber es braucht anscheinend erst den öffentlichen Druck, um tatsächlich etwas in Gang zu bringen.

Veranstaltungsorte wie das Café Wagner haben hingegen schon früher reagiert und stellen nicht nur männliches sondern auch weibliches Sicherheitspersonal zur Verfügung, um die Hemmschwelle zur Meldung von Übergriffen für Frauen zu senken. Andererorts wie bspw. in der „Villa“, die auch gern auf sexistische Werbung setzte, oder der Rose, dessen Betreiber sich bemüßigt fühlt bei zuviel Awareness negative Kommentare abzugeben, ist man da noch nicht so weit. Daher fordern wir als Grüne Jugend Jena die notwendige Sensibilität der Clubbetreiber und deren Angestellten, weibliches Sicherheitspersonal in allen Clubs und für alle sichtbar angebrachte Schilder, auf denen Verhaltenshinweise sowie Kontaktdaten für den Notfall stehen, falls sich keine Hilfsperson in unmittelbarer Nähe befindet.

3 Gedanken zu “Jenaer Feierkultur mit Verbesserungsbedarf

  1. Ich finde die Meinung von Frau Sommerfeld in den Klubs keinerlei Gehör zu finden sehr anmaßend. Warum hat sie nicht zuerst mit den Klubbetreibern geredet?
    Müssen emanzipierte Frauen sich zu Drinks einladen lassen und freizügig gekleidet sein, was wollen sie damit bezwecken?

    • Sehr geehrter Herr Grosser,

      wir empfinden diese Meinung nicht als anmaßend sondern leider als Realität. Sicherlich gibt es in einigen Klubs und bei einigen anderen Veranstaltungen Möglichkeiten, sexuelle Übergriffe zu melden, jedoch ist es oftmals unklar, an wen man* sich wenden soll und es werden keine Schutzräume zur Verfügung gestellt (bspw. dem*der Barkeeper*in in der Disco schreiend den Sachverhalt zu erklären, während andere Gäste daneben stehen). Hinzu kommen häufig noch die Abkanzelung von Vorwürfen und/oder dumme Kommentare – und das nicht nur vom Personal sondern auch von manchen Klubbetreiber*innen, wie schon im Text darauf hingewiesen. Dass Frauen, die von Männern sexuell belästigt werden, nicht unbedingt mit anderen Männern darüber reden wollen, gerade im Hinblick auf die oben genannten Kriterien, wird oft vergessen.
      Der Schritt an die Öffentlichkeit ist deswegen wichtig, weil es kein Nischenproblem ist, sondern ein gesellschaftliches. Solange das Thema aber in dieser Nische bleibt (Partyszene etc.), findet keine umfassende Debatte darüber statt. Die Klubbetreiber*innen sagen zwar, dass ihnen solche Situationen bekannt sind und sie diese ernst nehmen, jedoch wurde es anscheinend bei vielen nicht als so akut empfunden, Verbesserungen vorzunehmen.
      Natürlich *müssen* sich emanzipierte Frauen nicht zu Drinks einladen lassen oder freizügig kleiden. Aber Emanzipation bedeutet, genau das tun zu *können*, wenn sie sich danach fühlen, ohne dass jemand die eigenen Wünsche auf sie projiziert und/oder übergriffig wird. Die ganze Debatte zeigt auch, wie negativ und degradierend gerade die weibliche Sexualität gesehen wird. Auch das muss sich ändern.

      Viele Grüße
      Grüne Jugend Jena

      • Wenn aber, wie im offenen Brief im Rundumschlag kritisiert wird, so geschieht dies auf diffamierende Art und Weise.
        Ziel der Frauenbewegung ist also:
        das Frauen sich freizügig kleiden und sich auf Drinks einladen lassen können, ohne das jemand die eigenen Wünsche projiziert und/oder übergriffig wird. Des Weiteren eine positive und gradierte Sicht auf die weibliche Sexualität gefunden wird. Das wird die Näherin aus Bangladesch aber freuen!

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