IDAHoBIT*-Straßenfest

Am vergangenen Samstag beteiligte sich auch die Grüne Jugend Jena mit einem Informationsstand beim Straßenfest anlässlich des IDAHoBIT* am 17. Mai.

Es entstanden viele spannende Gespräche, vor allem basierend auf dem Quiz, welches die Grüne Jugend erstellt hatte. Dabei wurden Fakten rund ums Thema und vor allem aus verschiedenen Ländern der Welt zusammengestellt. Die Aufgabe war es dann, die Fakten  den Ländern zuzuordnen.

Zum Beispiel:
1) Im Jahr 2015 wurden 318 Lesben, Schwule und Transgeschlechtliche wegen ihrer sexuellen Orientierung ermordet – alle 27 Stunden ein Mord.
2) Das erste Land der EU, welches Therapien zur „Heilung“ von Homosexualität verboten hat.

Lösung:
1) Brasilien
2) Malta

*International Day against Homophobia, Transphobia & Biphobia

Saaleputz nicht um jeden Preis

Purer Aktionismus wird kritisiert

„Wie auch bereits im vergangenen Jahr weisen wir als Grüne Jugend darauf hin, dass der Zeitpunkt des Saaleputzes sehr unklug gewählt ist“, so die Sprecherin der Ortsgruppe Jena, Katharina Bautz. Auch der Naturschutzbund Jena informierte die Stadt als Mittragende der Veranstaltung erneut auf die somit möglichen Beeinträchtigungen von brütenden Tieren. Ebenso spricht sich die Naturschutzbehörde gegen eine solche Aktion in diesem Zeitraum aus.

Saaleputz-Aktion der GJ Jena 2013

GJ Saaleputz 2013

„Natürlich ist die Sache an sich sehr unterstützenswert – allerdings nicht um jeden Preis“, so weiter. Es drängt sich mal wieder der Eindruck auf, die Stadt wolle durch den Saaleputz vor allem so viel Arbeit wie möglich auf freiwillige Helfer abwälzen, die eigentlich in den Aufgabenbereich des Kommunalservices fällt, selbst wenn der Umweltschutz darunter leidet.

Saaleputz ja, aber zur richtigen Zeit! Das Argument, im September wäre das Wetter nicht einladend genug, zieht nicht, da auf Aprilwetter erst recht kein Verlass ist.
Die Grüne Jugend Jena organisiert bereits seit einigen Jahren, nach Absprache mit entsprechenden Verbänden, im September regelmäßig Saaleputz-Aktionen.


Die Stadt Jena sowie die Bürgerstiftung und einige weitere in Jena ansässige Vereine rufen für den 22. April 2017 erneut zum Saaleputz auf – ganz gleich, dass verschiedene Naturschutzinstitutionen dies als höchst kritisch einstufen. Bereits im vergangenen Jahr wurde diese Putzaktion ebenfalls in diesem Zeitrahmen durchgeführt – ebenso unter Kritik der Grünen Jugend und weiteren Naturschutzgruppierungen.

Afghanistan – (K)ein sicheres Land?!

Die Grüne Jugend Jena lud gemeinsam mit dem altgrünen Landesverband Thüringen vergangenen Montag ins Paradiescafé Jena zum Fotovortrag „Afghanistan: (K)ein sichere Land?“ ein.
Dieser Einladung folgten knapp 40 interessierte Menschen, die den Ausführungen von Erik Marquardt (Fotojournalist & ehem. Bundesprecher der Grünen Jugend) gespannt zuhörten und seine Erlebnisse auf Grundlage seiner Bilder mitverfolgten.

Erik war selbst Ende 2016 in Afghanistan, um die Sicherheitslage und die Situation der Menschen vor Ort sowie derer auf der Flucht zu dokumentieren. In seinem Fotovortrag schilderte er seine Eindrücke, Erlebnisse und erfahrenen Probleme in dem zerrütteten Land. Dabei stellte er die Fluchtgründe, Perspektiven und Wünsche der dort lebenden Menschen vor. Im Anschluss war Raum das soeben Erfahrene zu verarbeiten, Fragen zu stellen und weitere Gedanken mit den Anwesenden zu teilen.

Schnell wurde deutlich, dass offensichtlich von der Politik mit zweierlei Maß gemessen wird, denn einerseits soll es als ein sicheres Land gelten, sodass die Hilfesuchenden wieder zurück geschickt werden, andererseits werden alle anderen (deutschen) Menschen vor der Einreise nach Afghanistan aufgrund der Sicherheitslage ausdrücklich gewarnt.*

* Stand: 28. März 2017: https://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/AfghanistanSicherheit.html?nn=332636?nnm=332636

Jenaer Feierkultur mit Verbesserungsbedarf

Der kürzlich veröffentlichte Leserbrief der jungen Frau aus Jena zu leider alltäglichen sexuell motivierten Übergriffen und die darauf folgende Diskussion zeigen, dass Aufklärung und Kommunikation auch heute noch notwendig sind.

Vorwürfe zum angeblich einladenden äußeren Erscheinungsbild und Verhalten, zu scheinbaren Aufmerksamkeitsdefiziten und Denunizierung bestimmter Gruppen kommen aus einem breiten gesellschaftlichen Spektrum. Oftmals halten die Unterstellungen an, dass das Opfer „selber Schuld sei“ oder nicht ausreichend etwas gegen die Übergreifer unternommen habe. Diese Vermutungen kommen oft aus einem Unverständnis gegenüber der Situation, in der sich vor allem Frauen in Clubs befinden. Laut eigener Aussagen ist den Clubbetreibern in Jena dieses „Problem“ schon länger bekannt, aber es braucht anscheinend erst den öffentlichen Druck, um tatsächlich etwas in Gang zu bringen.

Veranstaltungsorte wie das Café Wagner haben hingegen schon früher reagiert und stellen nicht nur männliches sondern auch weibliches Sicherheitspersonal zur Verfügung, um die Hemmschwelle zur Meldung von Übergriffen für Frauen zu senken. Andererorts wie bspw. in der „Villa“, die auch gern auf sexistische Werbung setzte, oder der Rose, dessen Betreiber sich bemüßigt fühlt bei zuviel Awareness negative Kommentare abzugeben, ist man da noch nicht so weit. Daher fordern wir als Grüne Jugend Jena die notwendige Sensibilität der Clubbetreiber und deren Angestellten, weibliches Sicherheitspersonal in allen Clubs und für alle sichtbar angebrachte Schilder, auf denen Verhaltenshinweise sowie Kontaktdaten für den Notfall stehen, falls sich keine Hilfsperson in unmittelbarer Nähe befindet.

Der Antisemit Björn Höcke

Pressemitteilung der GRÜNEN JUGEND Jena
Autor*innen/Verantwortliche: Vorstand der GRÜNEN JUGEND Jena

Am 3. September schrieb Höcke auf Facebook über den „Finis Germaniae“. „Finis Germaniae“ bedeutet nichts anderes als das Ende Deutschlands. Dieser Ausdruck umschreibt nur etwas eleganter den Begriff des Volkstodes. Der Volkstod ist noch immer das Stichwort in der neonazistischen, völkischen und antisemitischen Szene, um den eigenen paranoiden und apokalyptischen Rassenbiologismus Ausdruck zu verleihen.

Den Begriff „Finis Germaniae“ hat Höcke sich nicht ausgedacht. Er stammt von Wilhelm Marr. Wilhelm Marr gilt als Vater des modernen Antisemitismus. Er hat den Begriff des Antisemitismus in den öffentlichen Diskurs einfließen lassen als positiv besetzten Kampfbegriff. In der antisemitischen Szene avancierte er schnell zu einem Wortführer. Hier propagierte er beispielsweise die Zitat: „Vernichtung jüdischen Wesens mittels Aufrichtung deutschen Volksbewußtseins“. Marrs Antisemitismus war von einer rassenbiologischen Pseudowissenschaftlichkeit geprägt. Für ihn standen das deutsche Volk und die Juden in einem Kampf ums Überleben, der in der Vernichtung von einer der beiden Rassen resultieren müsse. Beim Sieg der Juden über die Deutschen würde eben jener „Finis Germaniae“ eintreten. 1879 gründete er zur Abwehr des „Finis Germaniae“ die Antisemiten-Liga. Seinen Antisemitismus schrieb er u.a. In folgenden Werken nieder:

1879 Der Sieg des Judenthums über das Germanenthum – Vom nichtconfessionellen Standpunkt aus betrachtet.

1879 Vom jüdischen Kriegsschauplatz. Eine Streitschrift.

1880 Wählet keinen Juden! Der Weg zum Siege des Germanenthums über das Judenthum. Ein Mahnwort an die Wähler nichtjüdischen Stammes aller Confessionen.

1880 Der Judenkrieg, seine Fehler und wie er zu organisieren ist. 2. Theil von „“Der Sieg des Judenthums über das Germanenthum“.

Siehe hierzu auch: https://www.deutsche-biographie.de/gnd119024888.html#ndbcontent

Dies ist nicht der erste Anlass in dem sich Höckes Antisemitismus äußert.

Am 2. August sinnierte Höcke auf Facebook beispielsweise über den Begriff Völkermord und stellte folgende suggestive Frage. Zitat: „Gehört die wachsende Multikulturalisierung eines gewachsenen Volkes auch dazu?!“

Dieser Satz ist bemerkenswert, relativiert er doch jeden bis dahin geschehenen Völkermord, wie bspw. die systematische industrielle Vernichtung der jüdischen Bevölkerung in Europa. Auch ist das Statement deshalb interessant, weil es der gleichen rassenbiologischen Logik wie Marr folgt. Auch Höcke beschwört einen Rassenkrieg auf deutschen Boden herbei, der in dem „Finis Germaniae“ mündet, wenn nichts getan wird. Die Frage, die sich jedem hierbei unweigerlich stellen muss, ist, wer denn in Höckes Weltbild ausgelöscht werden muss, damit der Volkstod vom deutschen Volk abgewendet werden kann? Dass diese Frage zu denken, ohne dabei die geistige Grundlage von Auschwitz zu rekapitulieren unmöglich ist, sollten jedem von uns klar sein.

Es gäbe noch unzähliger weiterer Beispiele, die sich mit der Zeit angehäuft haben, mit denen wir ganze Seiten füllen könnten.(Beispielsweise ist das Verhältnis von Björn Höcke zu Wolfgang Gedeon auch sehr aufschlussreich!) Wir möchten es hierbei aber erst einmal belassen. Wichtig ist uns erst einmal, dass solche Statements in Zukunft nicht mehr achselzuckend zur Kenntnis genommen werden, und es zur Normalität wird, solche Politiker*innen zu wählen. Antisemitismus muss beim Namen genannt werden und antisemitischen Statements muss entschieden gesellschaftlich widersprochen werden.

Wir beenden unsere Ausführungen mit dem Fazit, dass wir, als Grüne Jugend Jena, Björn Höcke als das bezeichnen, was er in unseren Augen ist: Ein Antisemit und ein geistiger Brandstifter.

Eure Grüne Jugend Jena

GRÜNE JUGEND Jena in Brüssel

Eine spannende Exkursion ins politische Herz der EU liegt hinter uns. 
Vom 25. bis 27. Mai reiste die GRÜNE JUGEND Jena gemeinsam mit weiteren interessierten Schüler*innen und Alt-Grünen aus Thüringen nach Belgien, um sich intensiv mit eurpäischer Politik zu beschäftigen sowie einige EU-Institutionen zu besichtigen.
Wir bekamen die Möglichkeit uns die Vertretung des Freistaats Thüringen bei der Europäischen Union genauer anzusehen und erhielten somit einen Einblick in deren Arbeit und Einflussmöglichkeiten auf die Landespolitik des Freistaats.
Auf dem Weg zu unserer nächsten Statiuon, dem europäischen Parlament, lief uns plötzlich Martin Sonneborn in die Arme und schloss sich spontan unserem Gruppenbild an. Danach ging es mit dem geplanten Programm weiter. Wir besichtigten den Plenarsaal und hatten die Möglichkeit uns mit dem agrarpolitischen Sprecher der grünen Fraktion des Europaparlaments, Martin Häusling, auszutauschen. Nach einer kleinen Verschnaufspause ging es direkt weiter zur Europäischen Kommission. Dort bekamen wir nicht nur die Aufgaben der Europäischen Kommission erklärt, sondern auch Zeit über die aktuelle Politik der Kommission zu diskutieren. 
Maritn Sonneborn 02
Zwischen all diesen Terminen blieben die traditionellen Aktivitäten von Tourist*innen nicht außen vor. Das Kosten von belgischen Köstlichkeiten, wie Waffeln und Fritten, stand genau so auf dem Programm, wie das Erkunden des Nachtlebens und im Rahmen einer alternativen Stadtführung besondere Ecken der Stadt zu entdecken.
Wir möchten uns herzlichst bei der LAG Europa & Internationales für die kurze aber intensive  Reise bedanken und freuen uns auf die nächsten gemeinsamen Aktionen!

IDAHOT* 2015 in Jena

Der Internationale Tag gegen Homophobie & Transphobie, kurz IDAHOT*, fand am 17. Mai auch in Jena statt. Bei schönem Wetter war selbstverständlich auch die GRÜNE JUGEND Jena dabei unGruppe_gesamtd wir konnten mit unserem eigenen Stand aufwarten. Dort gab es unter anderem ein Quiz, das viele erstaunliche Informationen zum Thema LGBTI beinhaltete, sowie Textmaterial zum Mitnehmen und Aufkleber um sich zu Positionieren. Aber auch sonst gab es viele bunte und laute Aktionen. So konnten Taschen mit Botschaften gegen Homo- und Transphobie bedruckt werden und es wurden Luftballons mit ebensolchen persönlichen Botschaften gen Himmel gelassen.

Bedanken wollen wir uns bei der Organisator*innen, die uns mit Tisch und Pavillon versorgten, bei allen, die da waren, sowie den verschiedenen Bands, die für die musikalische Untermalung des Nachmittags sorgten.

Im Laufe der nächsten Tage finden noch viele weitere Veranstaltungen statt (http://www.idahot-jena.de/index.php/termine) und wir hoffen auch dort viele bekannte und unbekannte Gesichter zu sehen, die sich für die Rechte und Gleichberechtigung aller Menschen, egal welcher sexuellen Orientierung oder des Geschlechts, einsetzen wollen.

Alle Familienmodelle – auch an Schulen

Anlässlich des Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie am 17. Mai, fordern wir, die GRÜNE JUGEND Jena, das Ende der Diskriminierung von LGBTI-Menschen und den offeneren Umgang mit Sexualität in Schulen.

Schule ist nicht mehr nur ein Ort zum Lernen, sondern vielmehr ein Ort der Identitätsfindung. In viele Lebensbereiche wirkt die Schule ein und formt Generationen von Schüler*innen. Konzepte wie „Schule ohne Rassismus“ existieren schon, aber ein Projekt wie „Schule ohne Homo- und Transphobie“ lässt noch auf sich warten.

In der Alltagsrealität ist LGBTI-Feindlichkeit (Lesbian-,Gay-, Bisexual-, Transgender-, und Intersexfeindlichkeit) schon deutlich sichtbar. Im schulischen Kontext ist diese Feindlichkeit aber besonders ausgeprägt. Mobbing und homophobe Schimpfwörter sind alltäglich an Schulen und viele Kinder und Jugendliche leiden darunter. Die Selbstmordrate unter LGBTI-Jugendlichen ist sieben Mal so hoch wie unter heterosexuellen Jugendlichen.*

„Die Schule muss ein Ort sein, an dem Vielfalt geschaffen wird und sich jede und jeder wohlfühlt“, erklärt Rosa Sondermann, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Jena. 

Dieser Meinung ist auch das Bundesverfassungsgericht. In einem Beschluss vom 31. Mai 2006 heißt es: „Soziale Kompetenz im Umgang auch mit Andersdenkenden, gelebte Toleranz, Durchsetzungsvermögen und Selbstbehauptung einer von der Mehrheit abweichenden Überzeugung können effektiver eingeübt werden, wenn Kontakte mit der Gesellschaft und den in ihr vertretenen unterschiedlichen Auffassungen nicht nur gelegentlich stattfinden, sondern Teil einer mit dem regelmäßigen Schulbesuch verbundenen Alltagserfahrung sind“.

„Homo-, Trans-, Bi- und Intersexualität darf kein Tabuthema mehr sein – besonders nicht in Schulen. Wir kämpfen für eine Welt ohne Ausgrenzung und hoffen auf viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter“, sagt Helena Serbent, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Jena.

Unsere Forderungen für mehr Toleranz gegenüber LGBTI-Menschen in der Schule sind:
– Lehrer*innen sollten während ihrer Ausbildung
lernen, wie man LGBTI-Themen im Unterricht umsetzen kann.
– Inhalte der Queer-Theorie sollen in verschiedenen Unterrichtsfächern thematisch verankert sein. Dazu gehören zum
Beispiel Deutsch, Fremdsprachenunterricht, Politik, Geschichte, Religion, Ethik und Biologie.
– Vertrauenslehrer*innen sollten eine bessere
Ausbildung bzgl. Queer-Theorie bekommen. 


* vgl. Remafedi, Gary (1991): Risk factors for attempted suicide in gay and bisexual youth, in: Pediatrics 87, 6, S. 869-875.

AfD in der Uni unerwünscht

noAfD_komprMit einer friedlichen Sitzblockade verdeutlichten schätzungsweise 60 Student*innen der Friedrich-Schiller-Universität am gestrigen Tag, dass sie die Veranstaltung „Offene Grenzen. Chance! Herausforderung. Gefahr?“ der Hochschulgruppe „Freimut“ nicht an ihrer Universität dulden wollten. Für diese Podiumsdiskussion waren sowohl Clemens Schneider (Prometheus – Das Freiheitsinstitut) und der Thüringer Landtagsabgeordnete der „Alternative für Deutschland“ (AfD), Stefan Möller, angekündigt.

Bereits einige Tage vorher unterschrieb die GRÜNE JUGEND Jena einen offenen Brief (hier entlang), der an den Präsidenten der Universität adressiert war, mit der Bitte die Veranstaltung abzusagen.

Mit Luftballons, Seifenblasen und Klatschprotesten versperrten die Student*innen den Weg in den Veranstaltungsraum. Auch mischten sich mindestens 10 Mitglieder der GRÜNEN JUGEND Jena unter das bunte Treiben der Demonstrant*innen, um Farbe gegen rechts gewandte Ideologien zu bekennen.

Insgesamt acht Polizeifahrzeuge begleiteten die Aktion – aus Angst vor Ausschreitungen. Scheinbar war dies eine übertriebene Maßnahme, da alles, wie auf Seiten der Demonstrant*innen nicht anders erwartet, friedlich blieb.

Unverrichteter Dinge zogen die Veranstalter*innen aus dem Universitätsgebäude ab und wichen kurzerhand ins Verbindungshaus der „Arminia“-Burschenschaft, der Grünen Tanne, aus.

Statt Opfermythos – Verantwortung übernehmen

Am 13.02. fand in Dresden eine Veranstaltung statt, den Opfern des Bombardements der Stadt am 13.02.1945 zu gedenken. Da diese Veranstaltung in den letzten Jahren auch immer wieder von Nazis und Faschist*innen aus Deutschland und ganz Europa als Selbstinszenierungsplattform genutzt wurde, wollten wir uns auch in diesem Jahr ein eigenes Bild machen und gemeinsam mit anderen aktiven Gruppen gegen den immer noch propagierten Opferkult demonstrieren.

Zunächst stand ein Besuch auf dem Heidefriedhof auf dem Programm. Dies war die erste Begehung linker Gruppen. Dort befinden sich verschiedene Gedenkstätten für die Opfer des zweiten Weltkriegs. Problematisch war hier vor allem die Gleichsetzung Dresdens mit Vernichtungslagern wie Auschwitz und anderen Orten, an denen die Nationalsozialisten Verbrechen begingen (Warschau, Coventry, etc.). Außerdem fiel auf, dass viele der abgelegten Gedenkkerzen von fremdenfeindlichen Bewegungen dort abgestellt wurden. Auch die Geschichten der letzten Jahre verdeutlichten uns, wie gut es den Nazis teilweise gelang, an dieser Stelle Seite an Seite mit Amtspersonen zu stehen.

Nach dem Besuch auf dem Heidefriedhof fuhren wir in die Innenstadt. Dort besuchten wir zunächst den Täterspurenmahngang, der Stellen zeigte, an denen deutlich wurde, dass auch die Dresdner*innen während der NS-Zeit alles andere als unschuldig waren. Von hier aus ging es dann zur Kundgebung, die in diesem Jahr erstmals in Sicht- und Hörweite zur offiziellen Veranstaltung der Stadt Dresden stattfand. Unter anderem redeten hier auch Astrid Rothe-Beinlich und Madeleine Henfling aus der grünen Landtagsfraktion Thüringen. Festgestellt wurde vor allem, dass sich in Dresden die Opferbehauptung in Teilen der Bevölkerung hartnäckig hält. Besorgt ging der Blick dann in Richtung PEGIDA-Bewegung, die in Dresden begann und die erneut zeigte, dass sich Rassismus und Fremdenfeindlichkeit leider immer noch in vielen Köpfen halten. Dieses Bild bestätigte sich bei unseren Gesprächen mit Dresdner Bürger*innen.

Alles in Allem verließen wir Dresden mit gemischten Gefühlen. Sicher ist es positiv hervorzuheben, dass an diesem Tag kein großer Naziaufmarsch in Dresden stattfand. Auch dass in diesem Jahr erstmals eine fast reibungslose Begehung des Heidefriedhofs möglich war, stimmte in gewisser Weise zuversichtlich. Auf der anderen Seite ist immer noch zu merken, dass in dieser Stadt eine Selbstinszenierung als Opfer stattfindet, die schlichtweg nicht den historischen Tatsachen entspricht. Aber durch diese Inszenierung schaffen es Nazis und Rechtspopulist*innen mit ihren Thesen in die sogenannte „Mitte der Gesellschaft“ vorzudringen, zumindest ist dieser Effekt in Dresden zu beobachten. Das heißt für uns: Es gibt noch viel zu tun!

Abschließend möchten wir uns noch ganz herzlich bei allen bedanken, die diesen antirassistischen Tag in Dresden möglich gemacht haben, insbesondere bei der JG Stadtmitte, die unter anderem die Busreise organisiert hat und bei Feine Sahne Fischfilet, die an einem sehr kalten Dresdner Tag mit ihrer Musik ein bisschen Bewegung in uns gebracht haben.

Bilder: J. Otto