Saaleputz nicht um jeden Preis

Purer Aktionismus wird kritisiert

„Wie auch bereits im vergangenen Jahr weisen wir als Grüne Jugend darauf hin, dass der Zeitpunkt des Saaleputzes sehr unklug gewählt ist“, so die Sprecherin der Ortsgruppe Jena, Katharina Bautz. Auch der Naturschutzbund Jena informierte die Stadt als Mittragende der Veranstaltung erneut auf die somit möglichen Beeinträchtigungen von brütenden Tieren. Ebenso spricht sich die Naturschutzbehörde gegen eine solche Aktion in diesem Zeitraum aus.

Saaleputz-Aktion der GJ Jena 2013

GJ Saaleputz 2013

„Natürlich ist die Sache an sich sehr unterstützenswert – allerdings nicht um jeden Preis“, so weiter. Es drängt sich mal wieder der Eindruck auf, die Stadt wolle durch den Saaleputz vor allem so viel Arbeit wie möglich auf freiwillige Helfer abwälzen, die eigentlich in den Aufgabenbereich des Kommunalservices fällt, selbst wenn der Umweltschutz darunter leidet.

Saaleputz ja, aber zur richtigen Zeit! Das Argument, im September wäre das Wetter nicht einladend genug, zieht nicht, da auf Aprilwetter erst recht kein Verlass ist.
Die Grüne Jugend Jena organisiert bereits seit einigen Jahren, nach Absprache mit entsprechenden Verbänden, im September regelmäßig Saaleputz-Aktionen.


Die Stadt Jena sowie die Bürgerstiftung und einige weitere in Jena ansässige Vereine rufen für den 22. April 2017 erneut zum Saaleputz auf – ganz gleich, dass verschiedene Naturschutzinstitutionen dies als höchst kritisch einstufen. Bereits im vergangenen Jahr wurde diese Putzaktion ebenfalls in diesem Zeitrahmen durchgeführt – ebenso unter Kritik der Grünen Jugend und weiteren Naturschutzgruppierungen.

Saaleputz in Jena – eine kritische Nachbetrachtung

Am vergangenen Samstag fand in Jena der 10. Saaleputz statt, bei dem das Flussufer „von Müll und Schrott befreit“ werden sollte – leider auf Kosten des Naturschutzes. Der Naturschutzbund Jena weist darauf hin, dass zum Zeitpunkt des Saaleputzes die Brutzeit von Enten bereits begonnen habe und andere Arten wie Zaunkönig, Rotkehlchen und Ziplzalp bereits mit dem Nestbau beginnen. Durch die Arbeiten im Böschungsbereich werden diese Gelege gefährdet und in vielen Fällen auch unabsichtlich zerstört.

Dass bei den Veranstalter*innen durchaus ein Bewusstsein für diese Problematik vorhanden ist, zeigt sich darin, dass die Teilnehmenden im Voraus um rücksichtsvolles Arbeiten im Sinne des Umweltschutzes gebeten wurden, wie die OTZ berichtet. Dazu merkte Dr. Dietrich von Knorre, der Leiter der Fachgruppe Ornithologie und Vogelschutz beim NABU Kreisverband Jena, an, dass es für Laien kaum möglich ist, die Standorte der Brutstätten zu erkennen. Wir, die Grüne Jugend Jena, sehen die veranstaltenden Vereine und die Bürgerstiftung Jena in der Verantwortung gegenüber den Teilnehmer*innen, deren Motivation teilweise gerade der Naturschutz ist und denen durch solche Informationen suggeriert wird, sie könnten allein durch vorsichtiges Vorgehen eine Störung der Brutvögel verhindern.

Grundsätzlich stehen wir der Idee des Saaleputzes positiv gegenüber, umso mehr sollte er nicht durch die Wahl des Termins der Natur schaden, statt zu ihrem Schutz und ihrer Erhaltung beizutragen. Deshalb möchten wir die Veranstalter*innen bitten, in Absprache mit den lokalen Umweltschutzverbänden für den nächsten Saaleputz einen geeigneteren Termin zu finden.

Der Vorstand der Grünen Jugend Jena meint: „Besonders kritisch im Zusammenhang mit dem Saaleputz sehen wir jedoch die Rolle der Stadt Jena. Wenn sie ausdrücklich Mitveranstalterin einer solchen Aktion ist, so erwarten wir, dass sie eventuelle Beeinträchtigungen der Flora und Fauna im Uferbereich selbstständig prüft und nicht erst durch Umweltverbände darauf hingewiesen werden muss.“

Es drängt sich der Eindruck auf, die Stadt wolle durch den Saaleputz vor allem so viel Arbeit wie möglich auf freiwillige Helfer*innen abwälzen, die eigentlich in den Aufgabenbereich des Kommunalservices fällt, selbst wenn der Umweltschutz darunter leidet. Dem stellen wir uns als Grüne Jugend Jena entschieden entgegen. Öffentliche Aufgaben müssen von der Stadt oder der gesamten städtischen Gemeinschaft getragen werden und dürfen nicht schleichend auf einzelne Freiwillige verlagert werden. Es gibt genug Raum für Einsatz für den Umweltschutz, wo er vom Staat grundsätzlich nicht geleistet wird, als dass man noch staatliche Aufgaben übernehmen müsste.

Ziel eines Flussputzes sollte es daher sein, die Erfüllung dieser Aufgaben durch die Stadt einzufordern, und nicht, diese Aufgaben für sie zu übernehmen. Auf lange Sicht sollte sich der Saaleputz dadurch überflüssig machen, statt sich als Form bürgerlichen Engagements zur Image-Pflege Jenas zu institutionalisieren. Bis dieses Ziel erreicht ist, wird er hoffentlich Form und Zeit finden, zu der er zum Umweltschutz beiträgt, statt dieser Motivation zuwiderzulaufen.

Schöne “Grüne Welt”. Über Mythen der Green Economy

Die GRÜNE JUGEND Jena veranstaltet zusammen mit der Hochschulgruppe Intergrün eine Podiumsdiskussion mit dem Professor Ulrich Brand.

Die ‘Green Economy’ ist ein vielgebrauchtes Stichwort auf die Frage, wie die Wirtschaft im Angesicht der ökologischen Krise(n= nachhaltiger und ressourcenschondender gestaltet werden kann. Sie soll darüber hinaus auch für Arbeitsplätze und Wohlstand sorgen. Trotz vielfältiger Initiativen, Wirtschaft und Märkte ‘grüner’ zu gestalten, steigt der CO2-Ausstoß, die Artenvielfalt nimmt weiter ab und auch die soziale Ungleichheit nimmt in vielen Ländern zu. Die Green Economy scheint doch nicht das Mittel für den Weg in eine ökologischere und gerechtere Welt zu sein.

Ulrich Brand will zeigen, wo der Ansatz der Green Economy zu kurz greift und diskutieren, wie eine tatsächliche sozial-ökologische Transformation aussehen kann.

Prof. Dr. Ulrich Brand ist Professor für internationale Politik an der Universität Wien. Zu seinen Forschungsinteressen gehören Ressourcenpolitik mit einem Schwerpunkt auf Lateinamerika, Umweltpolitik und Green Economy sowie Globalisierung und Weltwirtschaft. Prof. Brand ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von attac und im Kuratorium des Instituts Solidarische Moderne.

Montag, 24.11.,14
19:00 Uhr
Hörsaal 9, Carl-Zeiss-Straße 3 (Campus)