Die Stadtratskandidatin von Bündis 90/ Die Grünen Jena Isabell Welle kandidiert für das Amt des Oberbürgermeisters, wie nun bekannt wurde. Sie gesteht auf Nachfrage, dass ihre Kandidatur für den Jenaer Stadtrat nur eine Scheinkandidatur ist.

„Eigentlich habe ich vor, Oberbürgermeisterin zu werden“, meint die 27-jährige Philosophie-Studentin. „Ich hatte diesen Entschluss gefasst, als ich erfahren habe, dass der Jenaer Oberbürgermeister Dr. Nitzsche für den Stadtrat kandidiert. Sollte er am 26. Mai gewählt werden, muss er sein Amt als Oberbürgermeister abgeben – und ich möchte seine Nachfolgerin werden.“ Mit Listenplatz vier der Freien Demokraten Jena hat Dr. Thomas Nitzsche durchaus gute Chancen auf einen Platz im Stadtrat. Seinen dann freien Oberbürgermeisterstuhl möchte Isabell Welle füllen. Sie selbst ist auf Platz drei der Liste von Bündnis 90/ Die Grünen und wird von der Grünen Jugend unterstützt.

Ihr ist bewusst, dass ihre Wählertäuschung nicht „der feinen englischen Art“ entspricht, kontert aber, dass es Zeit wird, „dass Jena von einer Politikerin regiert wird, die soziale, grüne, wissenschaftliche und wirtschaftliche Interessen verbindet und viel Wert auf die (Sub-)Kultur in Jena legt.“ Sie gibt zu, durch die Stadtratskandidatur bloß ihre Bekanntschaft steigern zu wollen, um so die anstehende Oberbürgermeisterwahl zu gewinnen. Der Sprecher der Grünen Jugend, Fabian Preckel, erläutert: „Wir als Grüne Jugend stehen voll und ganz hinter unserer Kandidatin und unterstützen sie bei der Wahl. Auch wenn wir uns grundsätzlich gegen Scheinkandidaturen aussprechen, wollen wir Isabell Welle als Oberbürgermeisterin sehen und nehmen dafür die Scheinkandidatur in Kauf und freuen uns, ihre Kandidatur hiermit offiziell verkünden zu können.“

Isabell Welle symbolisiert als junge und weibliche Kandidatin die Zukunftsvisionen der Grünen. Sie studiert an der FSU Jena Philosophie im Master und engagiert sich nebenbei in zahlreichen studentischen Gremien, sowie den verschiedenen grünen Gruppen in Jena. Sie steht gleichermaßen für Gleichstellung und Umweltschutz, möchte Müll in Jena reduzieren sowie bezahlbaren Wohnraum schaffen und setzt sich für die Verbesserung klimafreundlicher Verkehrsmittel wie dem öffentlichen Nahverkehr und Radwegen ein. Mit ihrem Motto „idealistisch denken, pragmatisch handeln“ trifft Welle den Zeitgeist und setzt sich und ihrem Amt gute Ziele.

 

EDIT (vom 02.04.2019):

Die Stadtratskandidatin von Bündnis 90/Die Grünen Jena, Isabell Welle, kandidiert natürlich nicht für das Oberbürgermeisteramt. Dies war nur ein Aprilscherz der Grünen Jugend in Zusammenarbeit mit Isabell Welle.
Allerdings hat der Scherz einen ernsten Hintergrund, denn der amtierende Oberbürgermeister Dr. Nitzsche kandidiert tatsächlich für den Stadtrat. Er hatte sich am 12. Januar von der Wahlkreismitgliederversammlung der FDP auf den Listenplatz vier der Liberalen aufstellen lassen. Es ist jedoch auch offensichtlich, dass er nicht vorhat, sein Amt als Oberbürgermeister abzugeben. Das müsste er aber, wenn er sich in den Stadtrat wählen ließe. Der Oberbürgermeister der Stadt Jena betreibt Wählertäuschung: Er ließ sich als Scheinkandidat aufstellen; vermutlich, damit die FDP bei den Stadtratswahlen mehr Stimmen erhält. Mit seinem Amt besitzt er auch eine gewisse Popularität, sodass er mutmaßliche das Ziel seiner Kandidatur erfüllen wird.
„Meiner Meinung nach widerspricht das einem fairen Wahlkampf“, erzählt Isabell Welle. Sie wollte mit dem Aprilscherz auf diesen Missstand aufmerksam machen.

 

Geteilter Beitrag mit der Grünen Hochschulgruppe Jena